Arzneipflanze des Jahres 2012: Süßholz
 
Wofür das Süßholzraspeln gut sein kann
 
Mit dem Süßholz nominiert der "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg eine sprichwörtlich bekannte Droge zur "Arzneipflanze des Jahres 2012". Die Süßholzwurzel nimmt in der traditionellen Medizin der großen europäischen und asiatischen Kulturen eine herausragende Rolle ein. Was aber vielen nicht bewusst ist, auch heute noch werden die Wurzeln durch Wildsammlung unter Strapazen und schlechten Lebensbedingungen der Arbeiter in den Steppen von Kasachstan und Usbekistan geerntet. Um auf diese problematische Seite des wilden Sammelns von Heilpflanzen aufmerksam zu machen, wird der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde zusammen mit dem World Wide Fund For Nature (WWF) im kommenden Jahr verstärkt auf die Aktion "FairWild" aufmerksam machen. Der FairWild-Standard umfasst klare Richtlinien für die Sammlung und den Handel von Wildpflanzen. Zum einen darf die Natur durch die Sammlung nicht zerstört werden und nur so viel gesammelt werden, wie auch nachwachsen kann. Zum anderen gilt: Die Sammler arbeiten unter fairen Bedingungen.



Glycyrrhiza glabra L (Süßholz):
Abbildung aus Prof. Dr. Thomé, Otto Wilhelm - Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz - in Wort und Bild für Schule und Haus; 1885 – 1905
Schon die Bezeichnung Süßholz verrät uns einiges über die bedeutsamen Eigenschaften dieser Arzneipflanze. Namensgebend ist die Süßkraft, die auf die Hauptkomponenten ihrer Inhaltsstoffe zurückgeht, die 100fach süßer schmecken als der Rohrzucker. Diese Süße wird oft in Teemischungen als Geschmackskorrigens genützt. Vornehmlich findet die Süßholzwurzel aber Anwendung in der kalten Jahreszeit als wirksamer Tee gegen Husten, der durch ein zähflüssiges Sekret in den Atemwegen gekennzeichnet ist. Als Bestandteil von prominenten Teemischungen wie Eibischtee und Brusttee ist sie Tag für Tag ein Fixum der Apothekenpraxis.
    Ihre heilende Wirkung ist aber nicht nur auf die Atemwege beschränkt, vielfach macht man sich auch ihren entzündungshemmenden Charakter zunutze, und setzt sie ergänzend bei Geschwüren des Magen-Darmtraktes zur schnelleren Abheilung der Schleimhautschäden ein. Wesentlich trägt zu dieser Wirkung auch das Vermögen bei, dass das Süßholz den Abbau und die Ausscheidung von Corticosteroiden hemmen kann. In hohen Dosen sollte sie daher nur bis maximal 6 Wochen angewendet werden.
      Wer „Süßholz“ hört, bringt es selten in Verbindung mit einer Leckerei, die viele aus der Kindheit kennen: der Lakritze. Dazu werden die ungeschälten Süßholzwurzeln mit Wasser ausgekocht, abgepresst und nach dem Filtrieren eingedampft. Die Lakritzenwurzel (lat. radix liquiritiae), wie die Süßholzwurzel im Volksmund auch genannt wird, stammt von der Stammpflanze Glycyrrhiza glabra, einer bis zu 2 Meter hohen Staude (siehe Abbildung links), die hauptsächlich im Mittelmeergebiet und im westlichen Asien beheimatet ist. Sie bildet zunächst eine lange kräftige Pfahlwurzel aus, später Nebenwurzeln und ein stark verholzendes Rhizom als unterirdisches Speicherorgan. Das Verholzen der Wurzel gibt dem Süßholz auch seinen Namen. Die typisch gelb gefärbte Wurzel kann von März bis Oktober geerntet werden und in getrockneter Form als Tee für seine zahlreichen Anwendungen getrunken werden. Süßholzextrakte wirken nämlich außerdem bakterien- und pilzhemmend gegen eine Vielzahl von Mikroorganismen.

        Ohne „Süßholz zu raspeln“, lässt sich feststellen, dass sowohl die Pharmazie, die Volksmedizin, aber auch die Indische und Chinesische Medizin mit der Süßholzwurzel einen unterirdischen Schatz gehoben haben.

        Text: Mag.pharm. Sonja Wurst / ORF Nachlese November 2011

        Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine in der Mittelmeerregion und in Westasien beheimatete Pflanze, aus deren Wurzeln Lakritze gewonnen wird. Sowohl Süßholzwurzel als auch Lakritze haben therapeutische Wirkungen.
        TV-Apothekerin Mag.pharm. Sonja Wurst in der Sendung Herbstzeit am 9.11.2011 um 17:40 Uhr im ORF 2.

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        Süßholz pharmazeutisch betrachtet

        Lateinische Bezeichnung: Glycyrrhiza glabra L.

        Synonyme: Lakritzenwurzel, Spanisches Süßholz, Russisches Süßholz; Sweet root (engl.), Reglisse, Racine de réglisse, Bois doux, Racine douce (franz.).

        Stammpflanze: Glycyrrhiza glabra L. (Fabaceae)

        Verwendeter Pflanzenteil: Wurzeln und Ausläufer (Liquiritiae radix)

        Offizinell (im Arzneibuch):
        Liquiritiae radix: Süßholzwurzel
        Extractum Liquiritiae, Extractum Liquiritiae fluidum (Süßholzwurzelextrakt)
        Mixtura solvens: Fluidextrakt mit Ammonchlorid.
        Pulvis Liquiritiae compositus (Kurellapulver): je 15 Teile Sennesblatt und Süßholzwurzel, je 10 Teile Fenchel und gereinigter Schwefel, 50 Teile Rohrzucker.
        Species Althaeae (Eibischtee): Eibischblatt 55 Teile, Eibischwurzel 25 Teile, Süßholzwurzel 15 Teile, Malvenblüte 5 Teile.
        Species pectorales (Brust- und Hustentee): je 10 Teile Malvenblüte, Königskerzenblüte und Thymianblatt, je 20 Teile Eibischblatt und Eibischwurzel, 25 Teile Süßholzwurzel, 5 Teile Anis.
        Species diureticae (
        Harntreibender Tee): je 25 Teile Liebstöckelwurzel, Süßholzwurzel, Hauhechelwurzel, Wacholderbeere.
        Sonstige Zubereitung:
        Succus Liquiritiae (Lakritze): eingedicktes wäßriges Extrakt.


        Inhaltsstoffe:
          Triterpensaponine: 2-15 %, Hauptkomponente Glycyrrhizin (Kalium-, Ammonium- und Calciumsalze der Glycyrrhizinsäure). Glycyrrhizin und Glycyrrhizinsäure haben einen intensiven süßen Geschmack (ca. 170 mal stärker als Haushaltszucker), der nicht sofort wahrgenommen wird und nach Hydrolyse zum Aglykon vollständig verschwindet.
          Weitere Inhaltsstoffe: Flavonoide, Chalkone, Cumarine.
          Lakritze soll nicht mehr als 0,2 % Glycyrrhizinsäure enthalten.

        Anwendungsgebiete:
          Wissenschaftlich belegt: zur Schleimlösung und Erleichterung des Auswurfs bei Katarrhen der oberen Atemwege (Bronchitis); zur Unterstützung der Behandlung von krampfartigen Beschwerden bei Magenschleimhautentzündungen.
          Weitere Wirkungen: krampflösend, entzündungshemmend, antimikrobielle Wirkung, Leberschutzwirkung.

        Teebereitung:
          Etwa 1 Teelöffel voll Süßholzwurzel wird mit einer Tasse kochendem Wasser überbrüht und weitere 5 Minuten zum Sieden erhitzt. Nach dem Abkühlen auf Trinktemperatur durch ein Teesieb geben. Soweit nicht anders angegeben wird jeweils nach den Mahlzeiten eine Tasse Teeaufguss getrunken.

          Zubereitungen aus Süßholzwurzel sollten nicht länger als 4 – 6 Wochen angewendet werden. Während dieser Zeit sollte auf die Zufuhr einer kaliumreichen Kost (Bananen, Trockenfrüchte) geachtet werden.
        Unerwünschte Wirkungen:
        Bei längerer Anwendung von Zubereitungen aus Süßholzwurzel kann eine vermehrte Wassereinlagerung mit leichten Schwellungen, besonders im Bereich von Gesicht und Fußgelenken, auftreten.
        Wechselwirkungen mit Medikamenten
        Nicht über längere Zeit gleichzeitig mit kaliumsparenden Diuretika anwenden. Durch verminderte Natrium- und Wasserausscheidung kann die Einstellung mit Arzneimitteln gegen Bluthochdruck erschwert werden.


        Süßholz ist zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt worden.

        Link:
        Wer wählt die Arzneipflanze bzw. Heilpflanze des Jahres