Arzneipflanze des Jahres 2011: Die Passionsblume
 
Extrakte werden bei nervösen Unruhezuständen und leichten Einschlafstörungen angewendet.
 
    Sicher haben Sie schon einmal Passionsblumen bei uns in einem Garten oder Park gesehen. Das auffallendste Merkmal dieser aus tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas stammenden Kletterpflanze sind die schönen und spektakulär geformten weiß-violetten Blüten, denen ein angenehmes Aroma entströmt. Der lateinische Gattungsname Passiflora wurde von Missionaren im neu entdeckten Kontinent Amerika geprägt und leitet sich vom lateinischen passio (Leiden) und flos (Blume) ab. Danach stellen in der Blüte die drei Narben die Nägel dar, der Fadenkranz die Dornenkrone, der gestielte Fruchtknoten den Kelch, die fünf Staubblätter die Wundmale, die Laubblätter die Lanze, die Ranken die Geißeln und die weiße Farbe die Unschuld des Erlösers.

Erster Bericht über Verwendung der Passionsblume
Die Mönche und Ärzte, die mit den spanischen Eroberern nach Amerika kamen, beobachteten, wie die Indianer Pflanzen verwendeten. Der Arzt Francisco Hernández (1517-1587) hinterließ von seiner Amerikareise umfangreiche Notizen. Mit Kommentaren versehen, wurden sie erst 1649 unter dem Titel: „Schatz der Arzneimittel aus Neuspanien“ (Rerum medicarum novae Hispaniae thesaurus) als Buch herausgegeben.

Über die Passionsblume schreibt Hernández, dass sie gegen Schlaflosigkeit helfe, schmerzstillend wirke, den Appetit anrege und die Harnausscheidung fördere. Außerdem beschrieb er sie als hervorragendes Mittel gegen Gifte und gegen Melancholie.

In Europa dauerte es noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, bis die Wirkungen der Passionsblume wissenschaftlich untersucht wurden.


..Passionsblume, Arzneipflanze des Jahres 2011
TV-Apothekerin Mag.pharm.Sonja Wurst in der Sendung Winterzeit am 12.1.2011 um 17:40 Uhr im ORF 2.
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Die Passionsblume pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Passiflora incarnata L.

Synonyme: Passion Flower, Maypop (engl.), Herbe de passiflore (franz.).

Stammpflanze: Passiflora incarnata L. (Passifloraceae - Passionsblumengewächse)

Verwendeter Pflanzenteil: Blüten- oder Früchte-tragende oberirdische Teile (Passiflorae herba).

Offizinell: Passiflorae herba: mind. 1,5 % Flavonoide.

Inhaltsstoffe:
    Flavonoide: bis ca. 2,5 %, C-Glykoside von Luteolin und Apigenin (z. B. Isovitexin).
    Weitere Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (sehr geringe Mengen), cyanogene Glykoside, Cumarine (Vorkommen nicht gesichert).
Anwendungsgebiete:
    Wissenschaftlich belegt: Nervöse Unruhezustände.
    Welche Inhaltstoffe dafür verantwortlich sind, ist bislang nicht geklärt. Vermutlich geht die Hauptwirkung auf die Flavonoide zurück.
    Als einer der Wirkmechanismen wird eine Beeinflussung des GABA-Stoffwechsels diskutiert. Über den Wirkungseintritt wird von einigen Stunden bis Tagen berichtet.
Extrakte aus der Passionsblume (Passiflora incarnata) werden bei nervöser Unruhe, leichten Einschlafstörungen und nervös bedingten Magen-Darm-Beschwerden angewendet. Um den beruhigenden Effekt zu verstärken, geschieht das oft in Kombination mit anderen pflanzlichen Mitteln, etwa mit Baldrian.

Untersuchungen haben zudem ergeben, dass Passionsblumenextrakt eine gute angstlösende Wirkung besitzt, zugleich treten keine muskelentspannenden Effekte auf. Das macht die Passionsblume zu einem Beruhigungsmittel, das sich besonders tagsüber gut einsetzen lässt.

Teebereitung:
    Kaum gebräuchlich. Zwei Gramm fein geschnittenes Kraut werden mit kochendem Wasser übergossen und nach 5 – 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben. Empfohlen werden 2 – 3 Tassen Tee tagsüber oder vor dem Schlafengehen 1 – 2 Tassen. Tee. 1 Teelöffel Droge = etwa 2 g.
Phytopharmaka:
    Die Droge oder aus ihr hergestellte Extrakte sind Bestandteil von Fertigarzneimitteln aus der Gruppe der Sedativa, speziell zur Tagesberuhigung. Grundsätzlich sollten bzw. können Zubereitungen aus dem Passionsblumenkraut längerfristig eingenommen werden um eine optimale Wirkung zu erzielen.
Unerwünschte Wirkungen:
    Keine bekannt

Auch die Maracuja ist eine Passionsblume
Die Früchte der über 500 Passiflora-Arten sind botanisch gesehen Beeren. Auch die Maracuja (Passiflora edulis, edulis bedeutet „essbar“) ist eine Passionsblume, die sich allerdings nicht zur Beruhigung eignet. Maracuja-Früchte sind eiförmig, haben eine feste Haut und enthalten innen einen oft bitter bis süßlich oder auch extrem sauer schmeckenden Saft (mit einem Vitamin C Gehalt von etwa 30 bis 50 mg/100 ml) und vielen essbaren Kernen.

Die Passionsblume "Passiflora incarnata" ist zur Arzneipflanze des Jahres 2011 gewählt worden.

Link:
Wer wählt die Arzneipflanze bzw. Heilpflanze des Jahres