Wie wirkt ein Generikum?
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 17. Juni 2017
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Wenn ein neuer Arzneistoff zum Patent angemeldet wird, ist er 20 Jahre vor Nachahmung geschützt. Bis daraus nach zahlreichen Tests und Prüfungen ein marktreifes Medikament wird, dauert es inklusive Zulassungsverfahren aber noch weitere 10 bis 12 Jahre. Die gesamten Forschungs- und Entwicklungskosten betragen über 1 Milliarde Dollar. In den folgenden 8 bis 10 Jahren muss der neue Arzneistoff diese Kosten am Markt wieder hereinspielen, denn nach dem Patentablauf können ihn andere Firmen nachbauen und mit deutlich niedrigeren Entwicklungs- und Zulassungskosten als Generikum auf den Markt bringen. Die Generikahersteller müssen dabei „Bioäquivalenz“ nachweisen, das heißt, dass ihr Arzneimittel im Körper die gleichen Blutspiegel und somit Wirkungen erzielt wie das Originalpräparat.

Ein Generikum wirkt also nicht besser oder schlechter als das Original, es ist "nur" billiger. Bei häufig verordneten Substanzklassen wie Blutdruckmitteln, Cholesterinsenkern, Antibiotika, Antidepressiva oder Rheumamitteln kann es vorkommen, dass ein und derselbe Stoff von über 10 Herstellern angeboten wird. Dass es davon meist mehrere Stärken und Packungsgrößen gibt, erschwert die Lagerhaltung einer Apotheke beträchtlich. Wir bemühen uns natürlich, alle nachgefragten Generika vorrätig zu halten.


Es kommt aber immer wieder vor, dass ein Präparat nicht lieferbar ist oder eine Apotheke ein Arzneimittel von neun Anbietern lagernd hat und prompt ein Rezept für das Generikum des zehnten Erzeugers vorgelegt wird. Da die gesetzlichen Bestimmungen in Österreich einen Austausch dieser gleichwertigen Mittel noch immer nicht zulassen, bleibt es dem betroffenen Kunden leider nicht erspart, ein zweites Mal in die Apotheke zu kommen. In den meisten EU-Staaten ist dieser Austausch nicht nur möglich, sondern zu Kostenreduktion sogar vorgeschrieben.