Medikamente aus dem Supermarkt?
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 12. November 2016
 

APOTHEKER-TIPP von
Dr. Gerhard Kobinger
Manager von Handelsbetrieben, seien es Drogeriemärkte oder Lebensmittelhändler, haben oft kreative Ideen zur Umsatzsteigerung: Sie möchten gerne Arzneimittel verkaufen dürfen, der Apothekenvorbehalt erscheint ihnen konsumentenfeindlich und überholt. Ich habe da so meine eigenen Gedanken und Erfahrungen.

Im ach so vorbildlichen und liberalen Amerika gibt es etliche Medikamente im Supermarkt und sogar an der Tankstelle. Daher muss beispielsweise in Kalifornien jährlich bei 60 Kindern die Leber transplantiert werden: Sie haben von einem an sich guten und für Kinder geeigneten Schmerzmittel zu viel bekommen. So viel zu viel, dass die Leber versagt hat und transplantiert werden musste. Die Kassiererin, die das Päckchen über die Scannerkasse abrechnet, weiß darüber nicht Bescheid. Woher auch, es ist nicht ihr Job. Oft verwendete Schmerzmittel können Magenblutungen, Geschwüre, Hautausschläge oder Asthma auslösen. Der unsachgemäße Gebrauch von Nasentropfen führt zu Schleimhautaustrocknung, verstärktem Zuschwellen der Luftwege, Schädigung des Flimmerepithels und einem Dauerschnupfen. Zur Hardware "Arzneimittel" gehört halt auch die Software der "Beratung durch den Apotheker". Weil Gesundheit ein kostbares Gut ist und Arzneimittel eine Ware besonderer Art darstellen. Weil der Kaufmann Apotheker auch einmal nein sagen muss: Nein, ich verkaufe Ihnen heute nichts, gehen Sie im eigenen Interesse zu einem Arzt.

Unsere Apotheken verstehen sich als kundenorientierte, effiziente Gesundheitskompe-tenzzentren mit einem breiten Waren- und Dienstleistungsangebot, die in täglich 300.000 persönlichen Kundengesprächen verantwortungsvolle Problemlösungen für ihre Kunden anbieten, oft mit Zehn-Stunden-Öffnungszeiten, Nacht- und Feiertagsdiensten, mit modernster Ausstattung und hoch qualifiziertem Personal. Kann das Ihr Supermarkt auch?