Apothekerpreise
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 13. August 2016
 

APOTHEKER-TPP von
Dr. Gerhard Kobinger
Wussten Sie, dass die Bezeichnung „Apothekerpreise“ aus dem Mittelalter stammt und man damit besonders genau berechnete Preise bezeichnete? Und heute? Spielen Sie mit mir ein bisschen Millionenquiz und reihen Sie die folgenden Branchen nach der Höhe ihrer Handelsspannen: a) Apotheken, b) Möbelhandel, c) Drogerie- und Parfümeriewaren und d) Bekleidungshandel. Die richtige Auflösung lautet d), b), c) und zuletzt a): Die sprichwörtlichen Apothekerpreise haben laut einer Studie der KMU Forschung Austria die niedrigste Spanne. Sie liegt über alle Warengruppen bei 27 Prozent, im Bereich des Rezeptumsatzes, der über 70 Prozent ausmacht, nur bei 15,6 Prozent. Damit wird unser Waren- und Dienstleistungsangebot finanziert: 5.000 verschiedene Arzneimittel und Gesundheitsprodukte in 20.000 Packungen lagern in der österreichischen Durchschnittsapotheke, das entspricht einem Wert von über 140.000 Euro.

Neben dem Verkaufsraum, der Offizin, gehören Lagerräume, Labor, Nachtdienstzimmer und Arzneikeller zu jeder Apotheke. Überprüfungen und Aufzeichnungen sichern und dokumentieren die Qualität von Waren und Abläufen. Es erscheint selbstverständlich, dass von 1370 Apotheken jederzeit rund 300 Nacht- bzw. Bereitschaftsdienst versehen, was einen Geldwert von 33 Millionen Euro darstellt, der nicht von der öffentlichen Hand getragen wird sondern über die Handelsspanne verdient werden muss. Ebenso wie die Kosten für eine aufwendige Ausstattung mit Laborgeräten, Literatur und EDV sowie der Aufwand für unser akademisches Fachpersonal. Ein verbreiteter Irrtum betrifft auch die Rezeptgebühr: Sie ist kein „Körberlgeld“ für die Apotheke, sondern wird von uns nur für die Krankenkassen eingehoben und auf Euro und Cent an diese weitergeleitet wird. Apothekerpreise? Da steckt viel Leistung, Kompetenz und Qualität dahinter und diese Werte haben ihren – staatlich geregelten – Preis.