Arzneimittelabgabe an Kinder
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 10. Oktober 2015
 

APOTHEKER-TIPP von
Dr. Gerhard Kobinger
Tatsächlich passiert: Jugendliche kaufen sich in einer Apotheke rezeptfreie, abführende Tropfen, mischen sie einem Schulfreund ins Getränk und zerkugeln sich schadenfroh über den darauf folgenden Durchfall. Das ist ein klarer Fall von Arzneimittelmissbrauch, ebenso wie beim Vierzehnjährige, der an sich relativ harmlose, rezeptfreie Schlaftabletten besorgt, angeblich für die Oma, diese überdosiert selbst schluckt und in Erwartung lustvoller psychischer Erlebnisse im Krankenhaus landet. Man darf Arzneimittel aber nicht am Missbraucher messen. Auch große Mengen von destilliertem Wasser oder von Kochsalz können lebensgefährlich sein. Jedoch: Arzneimittel gehören nicht in Kinderhände!

Wir Apotheker geben Arzneimittel daher nur ungern an Kinder als Boten ab. Sie enthalten oft hochwirksame Substanzen und brauchen für eine sichere, nebenwirkungsfreie Wirkung Hinweise über die korrekte Anwendung oder Fragen nach anderen Arzneimitteln, die Sie einnehmen, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Diese Fragen können wir Ihrem Kind kaum stellen, die Informationen nur schwer an erwachsene Anwender weiterleiten. Dazu kommt, dass wir nur schwer nachprüfen können, ob ein Kind die Arzneimittel wirklich im Auftrag eines Erwachsenen holt oder ob es die Medikamente gar selbst verwendet. Sie werden daher verstehen, dass wir Arzneimittel nur unter großen Vorbehalten an Kinder und Jugendliche aushändigen. Im Idealfall sollten Sie daher Ihre Medikamente selbst in der Apotheke holen oder einen Erwachsenen damit beauftragen. Sind Sie ganz auf sich allein gestellt, bettlägrig oder gehbehindert, so rufen Sie uns bitte an. In solchen Ausnahmefällen finden wir immer eine Lösung, um Ihnen dringend benötigte Arzneimittel nach Hause zuzustellen.