Preisunterschiede bei Medikamenten
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 13. Juli 2019
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Man kennt das aus dem Urlaub: Waren und Dienstleistungen sind im Ausland billiger oder teurer als zu Hause. Das gilt auch für Medikamente und hat mehrere Ursachen.
Zum ersten gelten in jedem Land andere Mehrwertsteuersätze. So kassieren manche Staaten wegen der Bedeutung für die Gesundheit überhaupt keine Mehrwertsteuer auf Medikamente. In Österreich wurde dieser Mehrwertsteuersatz erst vor wenigen Jahren von 20 Prozent auf 10 Prozent gesenkt.
Zudem passt die Pharma-Industrie die Preise für ihre Produkte an das Lohn- und Preisniveau im jeweiligen Land an. Da kann es passieren, dass ein Medikament beispielsweise in Ungarn, wo die Löhne nur etwa 30 bis 40 Prozent der österreichischen Löhne betragen, in der Apotheke billiger abgegeben wird, als es die österreichische Apotheke einkauft.
Auch haben bei uns die Krankenkassen als größte Apothekenkunden einen gesetzlich geregelten Sonderpreis, die Spanne beträgt hier nur 14,5 Prozent und sinkt laufend.
Unterschiede gibt es außerdem in Ausstattung, Waren- und Dienstleistungsangebot der Apotheken. So trägt jede Packung Schmerztabletten oder jeder Nasenspray zur Finanzierung unserer flächendeckenden Bereitschaftsdienste bei, die die Apotheken in Österreich selbst finanzieren müssen. In anderen Ländern werden diese vom Staat oder der Krankenkasse bezahlt. Auch die individuelle Anfertigung von Arzneimitteln oder die Betreuung von Suchtkranken werden von den Krankenkassen nicht in einem kostendeckenden Ausmaß abgegolten.
Laut mehreren unabhängigen Studien liegen die österreichischen Medikamentenpreise und Apothekenspannen jedenfalls deutlich unter dem EU-Durchschnitt, bei der Beschäftigung von akademischem Fachpersonal, Leistungs- und Qualitätsvergleichen belegen die österreichischen Apotheken aber stets einen Platz im europäischen Spitzenfeld.