Medikamente auf Reisen
 
Apotheker-Tipp in de Kleinen Zeitung vom 9. Juli 2016
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Die Verpackung von Arzneimitteln in Blisterstreifen und Schachtel stellt einen gewissen Schutz vor Umwelteinflüssen dar. Extreme Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit, UV-Licht oder hohe Temperaturen über längere Zeit können eine ganze Reihe von Arzneistoffen zerstören oder zumindest in ihrer Wirksamkeit schädigen. Man sollte daher auch im Urlaub seine Reiseapotheke möglichst kühl, trocken und lichtgeschützt lagern. Also im Flugzeug im Handgepäck und nicht im Laderaum, wo Temperaturen unter null Grad herrschen und am Urlaubsort nicht am sonnigen Fensterbrett sondern im dunklen, trockenen Kleiderschrank. Meist ist nicht Hitze der Killer für empfindliche Substanzen, sie reagieren vielmehr sensibel auf zuviel UV-Licht bzw. auf Gefrierschranktemperaturen. So ist etwa Insulin im Kühlschrank bei etwa acht Grad zu lagern, hält aber ein Monat lang tadellos bei Temperaturen von 30 Grad, wogegen Minusgrade oder Sonnenlicht es sehr schnell zerstören. Brausetablettenröhrchen haben meist ein Trockenmittel beigepackt, da diese Arzneiform Feuchtigkeit nicht verträgt. Sie sind daher nach jeder Entnahme wieder gut zu verschließen, ebenso wie Tablettendöschen. Wenn Schmerztabletten wie Aspirin längere Zeit höheren Temperaturen und Luftfeuchtigkeit ausgesetzt werden, zerfällt der Wirkstoff zu Salicylsäure und Essig: Sie merken am stechenden Geruch, dass Ihre Schmerztabletten „hinüber“ sind. Hohe Temperaturen sind besonders für Wirkstoffpflaster für Herz- und Schmerzpatienten oder zur Empfängnisverhütung gefährlich: Die Hitze verändert die Wirkstoffverteilung im Pflaster ebenso wie dessen Abgabe über die Haut. Auch Naturheilmittel und Asthmasprays sind sehr hitzeempfindlich. Im Zweifelsfall fragen Sie am besten in Ihrer Apotheke nach. Schönen Urlaub!