Sichere Medikamente
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 12. März 2016
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Die Meldungen kommen in immer kürzeren Abständen: Die Zahl der durch den Zoll aufgegriffenen illegal eingeführten und gefälschten Medikamente verdreifacht sich jedes Jahr. Eine junge Deutsche bestellt im Internet ein als besonders wirksam angepriesenes Schlankheitsmittel: Sie stirbt kurz nach der Einnahme. In Kalifornien brauchen jährlich 60 Kinder eine Lebertransplantation, weil sie mit Überdosen an Paracetamol behandelt wurden, einem an sich gut verträglichem Fiebersenker und Schmerzstiller, der auch im Supermarkt und an der Tankstelle erhältlich ist.
Die “New York Times” meldete schon vor einigen Jahren, dass 28 Prozent aller Spitalsaufnahmen in den USA durch falsch eingenommene Arzneimittel verursacht werden. Jeder fünfte Todesfall ist auf den giftigen „Cocktail“ aus gefährlicher Selbstmedikation, Überdosierungen und Wechselwirkungen zurückzuführen. Die Zeitung hat die Ursachen dieser bedenklichen Entwicklung recherchiert und kommt zum Schluss, dass „Internet-Versandhandel von Arzneimitteln, die Etablierung von Ketten-Drugstores und die Auflösung des geordneten Apothekensystems verantwortlich für diese tödliche Giftmischung sind“.

Arzneimittel sind keine Hustenzuckerln, keine beliebigen Konsumartikel. Sie eignen sich nicht für „Geiz ist geil“ und „Willkommen im freien Markt“, sie eignen sich nicht für grenzenlosen Wettbewerb, Umsatzoptimierung und unbeschränkte Liberalisierung. Der sichere Umgang mit Medikamenten braucht die kompetente Beratung durch Apotheker, braucht im Vertrieb klare Regeln wie die Rezeptpflicht, den Apothekenvorbehalt und eine lückenlose Logistikkette vom Erzeuger über Großhandel und Apotheke bis zum Anwender.

Österreich hat ein international anerkanntes und qualitätsvolles Gesundheitssystem, das ein Höchstmaß an Arzneimittelsicherheit sicherstellt. Hoffentlich bleibt’s so.