Medikamente wirken im Alter anders
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 12. August 2017
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Die Erkrankungshäufigkeit und der Medikamentenbedarf nehmen mit steigendem Lebensalter zu. Personen über 70 verwenden laut einer Studie durchschnittlich ständig fünf verschiedene Arzneimittel. Mit zwei Blutdruckmitteln, einem Cholesterinsenker, einem Mittel gegen Diabetes und einem gegen rheumatische Beschwerden oder gegen Depressionen haben wir einen typischen Medikamentenmix, wie wir ihn regelmäßig in der Apothekenpraxis finden.

Zu beachten ist, dass ein älterer Organismus anders auf Medikamente reagiert als ein junger: Die Aufnahme der Arzneistoffe aus dem Darm wird im Alter ebenso schlechter wie die von Nährstoffen aus der Ernährung. Der Transport von Arzneistoffen im Blut verändert sich, Leber und Niere verlieren an Gewicht und somit an Ausscheidungsleistung. Daher erzielt oft schon eine niedrigere Dosis als beim Jugendlichen die erwünschte Wirkung. Es ist auch fraglich, ob die Einnahmevorschriften wirklich befolgt werden, also ob das richtige Medikament zur richtigen Zeit in der richtigen Dosierung eingenommen wird. Dies wird als "Compliance" oder „Adhärenz“ bezeichnet und diese nimmt weniger mit dem Lebensalter als vielmehr mit der Anzahl einzunehmender Medikamente ab.
Lassen Sie sich daher bei Unklarheiten in Ihrer Apotheke einen Einnahmeplan mitgeben, wo Sie den richtigen Einnahmezeitpunkt (früh/mittags/abends bzw. vor/während/nach dem Essen) auf einen Blick ablesen können. Wenn Sie bei mehreren Ärzten in Behandlung stehen oder zusätzlich rezeptfreie Produkte in der Apotheke kaufen, fragen Sie jedenfalls, ob diese sich mit Ihren übrigen Medikamenten vertragen.

Viele Apotheken bieten ein kostenpflichtiges „Medikationsmanagement“ an: Dabei wird geprüft, welche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen Ihre Medikamente auslösen können. Damit wird die Sicherheit Ihrer Medikation und damit Ihre Lebensqualität verbessert.