Schlafstörungen
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 10. September 2016
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
„Schlaf lässt sich nicht erzwingen, Schlaf muss sich ergeben.“ Das bestätigt jeder, der sich schon einmal stundenlang schlaflos im Bett gewälzt hat. Selten sind körperliche Ursachen wie Schmerzen oder Krankheiten der Grund für Ein- und Durchschlafstörungen, schuld ist meist der seelischen Bereich: Stress, Burn-out, Kummer, depressive Verstimmungen, Ängste, Sorgen, aber auch überschäumender Tatendrang und Vorfreude können die Gedanken so sehr im Kreis schicken, dass sich Schlaf nicht einstellt. Am nächsten Morgen steht man dann wie gerädert auf. Mein wichtigster Tipp dazu: das Bemühen um Schlafhygiene. Langes Mittagsschlaferl, Bewegungsmangel, ein zu helles und lautes Schlafzimmer, das als Fernseh- oder Lesezimmer missbraucht wird, all das führt zu Schlafstörungen. Hilfreich ist ein fixer Zeitpunkt für das Zu-Bett-Gehen sowie ein entspannendes Lavendelbad davor. Die Inhaltsstoffe von Baldrian, Melisse, Hopfen und Passionsblume wirken - eventuell kombiniert mit dem Schlafhormon Melatonin - gut Schlaf anstoßend. Im Gegensatz zu synthetischen Schlafmitteln verändern sie das natürliche Schlafprofil nicht, sodass man morgens erfrischt erwacht und keine Abhängigkeit befürchten muss. Wenn der Arzt in belastenden Situationen vorübergehend ein Schlafmittel verordnet, sollte man dieses nicht regelmäßig, so gering wie nötig dosiert und keinesfalls auf Dauer verwenden. Dabei gibt es kurz wirkende für Einschlafstörungen und lange wirkende für Durchschlafstörungen. Bei Letzteren ist die Gefahr für ein Hangover mit Benommenheit und Stolpergefahr am nächsten Tag größer. Vorsicht, wenn Sie am nächsten Morgen Auto fahren: Manche Schlafmittel können Ihre Reaktionszeit bis zu 30 Stunden lang beeinträchtigen!