Individuelle Wirkung von Medikamenten
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 11. November 2017
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Wer ein Arzneimittel einnimmt, vertraut darauf, dass es bei ihm so wirkt, wie es in der Gebrauchsinformation beschrieben ist. Zu bedenken ist dabei, dass Wirkstoffe vom Stoffwechsel des Körpers um- und abgebaut werden, dass dieser Stoffwechsel aber eine äußerst individuelle Angelegenheit ist. Dieses individuelle Stoffwechselprofil beeinflusst maßgeblich die Stärke und Dauer der Medikamentenwirkung, aber auch eventuelle Nebenwirkungen. Die unterschiedliche Ausstattung mit Enzymsystemen hat zur Folge, dass ein und dasselbe Arzneimittel bei verschiedenen Menschen stärker oder kürzer wirkt oder Nebenwirkungen mehr oder weniger auftreten.

Seit Kurzem gibt es in Apotheken einen Test in Form eines Mundhöhlen-Abstrichs, der als Ergebnis das individuelle Stoffwechselprofil der Testperson ausweist. Man kennt dann sozusagen seine persönliche Ausstattung mit den Enzymen, die den Um- und Abbau von Arzneistoffen steuern. Dieses Stoffwechselprofil bleibt bei einem Menschen lebenslang gleich. Ihr Apotheker und Ihr Arzt können darauf zugreifen und abschätzen, ob Sie ein Medikament vertragen, ob es bei Ihnen normal, stärker oder schwächer wirken wird oder ob Nebenwirkungen zu erwarten sind. Der behandelnde Arzt kann in Kenntnis dieses Musters viel zielgerichteter geeignete Medikamente verordnen, Sie selbst können sich bei Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln viel zielgerichteter beraten lassen. Bei bestimmten Krebsbehandlungen wird ein ähnlicher Test schon seit Längerem durchgeführt. Man weiß dann bereits vor der Behandlung, ob ein Krebsmedikament einem Erkrankten helfen wird, oder ob ein anderes Mittel mehr Erfolg verspricht. Diese Tests sind die Grundlage für eine personalisierte Arzneimitteltherapie und ein wesentlicher Schritt zu einer sicheren Medikation.