Medikamente gegen Schulstress?
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 9. September 2017
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Schulanfang - und schon bald werden unsere Kinder wieder über Lern- und Prüfungsstress klagen. Nach vereinzelten Medienberichten verwenden Eltern angeblich zur Leistungssteigerung oder Beruhigung die ihnen verordneten Arzneimittel bei ihren Kindern. Sogar Omas Schlafmittel soll vor Schularbeiten zum Einsatz kommen. Ich glaube und hoffe, dass es sich bei diesen Meldungen nur um Missverständnisse, Fehlinterpretationen oder ganz seltene Einzelfälle handelt, da dies für mich einen eindeutigen Medikamenten-Missbrauch darstellt.

Es erscheint mir schon bedenklich, wenn routinemäßig und undifferenziert versucht wird, mit Bachblüten-Notfalltropfen oder Homöopathika gegen den Schulstress anzukämpfen, da Kinder so darauf konditioniert werden, gegen jede Prüfungs-, Belastungs- oder Problemsituation ein Arzneimittel einzunehmen. So setzt man Kinder der Gefahr aus, später in eine Medikamentenabhängigkeit oder -sucht zu rutschen. Der alte Lehrertipp stimmt schon: Schulstress lässt sich am besten durch rechtzeitiges und konzentriertes Lernen vermeiden, aber nicht durch das wahllose Einwerfen von irgendwelchen Pillen oder Säften.

Die Gabe von Vitamintonika für eine optimale Versorgung mit Mikronährstoffen macht hingegen Sinn, dient eher der Stärkung der Abwehrkräfte und hat nichts mit „Schuldoping“ zu tun. Die Wirkung von konzentrationsfördernden und stressmildernden Naturstoffen wie Lecithin, B-Vitaminen, Rosenwurz, Passionsblume oder Ginsengextrakt tritt erst nach mehrwöchiger Einnahme ein, sie sind also für einen kurzfristigen Einsatz vor Schularbeiten nicht geeignet. Ob deren Anwendung sinnvoll ist, muss im Einzelfall individuell entschieden werden.