Arzneimittel statt "schmutziger" Drogen
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 18. August 2018
 

APOTHEKER-TIPP von
Dr. Gerhard Kobinger
Sie stehen in der Früh in einer Apotheke und beobachten, wie die Apothekerin einem jungen Mann oder einer jungen Frau ein paar einzelne Tabletten oder eine Flüssigkeit zur sofortigen Einnahme gibt. Dabei handelt es sich meist um Opiatabhängige, die täglich in der Apotheke statt der illegalen, oft verunreinigten Droge Morphin bzw. Heroin das ärztlich verordnete, legale Arzneimittel Morphin in genau festgelegter Dosierung und unter Aufsicht bekommen. Speziell geschulte Ärzte legen Substanz und Dosis fest, die den bisherigen gespritzten Drogenkonsum ersetzen soll.

Gesetzgeber und Medizin haben diese Therapie geschaffen, um einerseits die Beschaffungskriminalität einzudämmen und andererseits den intravenösen Drogenkonsum zu reduzieren, der oft zu Infektionen mit Hepatitis B oder C bzw. mit HIV führt. Substitution ist kein Drogenentzug und meist auch kein Dosis-Reduktionsprogramm. Die tägliche Abgabe unter Sicht in der Apotheke dient dazu, die Betroffenen in ihrer Substanzabhängigkeit, in meist miserabler sozialer und gesundheitlicher Lage aufzufangen, zu stabilisieren, in einen geordneten Tagesablauf zurückzuführen und - oft nach Jahren - für eine Dosisreduktion und einen Entzug bereit zu machen. Auch eine geordnete Beschäftigung ist während einer Substitutionstherapie möglich.

In der Steiermark sind über 1.200 Abhängige „im Programm“. Die Apotheker leisten hier eine wichtige und wertvolle Arbeit im Dienste der Volksgesundheit. Jede Abgabe ist einzeln und täglich zu prüfen, zu dokumentieren und mit Unterschrift zu bestätigen. Und wenn Ihnen jetzt spontan der Ausdruck „Giftler“ dazu einfällt, so denken Sie daran: Drogenabhängigkeit ist laut WHO eine Krankheit und niemand ist davor gefeit, in seiner eigenen Familie damit konfrontiert zu werden.